Die Ethik des Hundeszüchters
Von der Ethik des Hundezüchters machen wir uns auf den ersten Blick meist eine relativ einfache Vorstellung. Sind die Welpen auf der Welt, hat man anständig mit ihnen umzugehen - das versteht sich für uns von selbst, und soweit ist die Sache auch bequem nachvollziehbar. Auf den zweiten Blick allerdings wird klar, um wie viel früher die Verantwortung beginnt, und wie viele Einzelaspekte zu berücksichtigen sind.
Die Verantwortung eines Züchters beginnt nicht erst mit der Geburt eines Welpen und endet nicht mit dessen Verkauf: Die Verantwortung eines Züchters beginnt bereits bei der Auswahl der zu verpaarenden Hunde.
Der Grund für die Notwendigkeit höchster Anforderungen an die züchterische Verantwortung liegt auf der Hand: Heute leben die Hunde in engem Familienkontakt, und nur eine Nachzucht gesunder, wesensfester und sozial verträglicher Hunde gewährleistet ein jede Seite bereicherndes Miteinander von Mensch und Tier.
Ein seriöser Züchter verfolgt stets das Ziel, die Qualitäten einer Rasse zu erhalten und sie darüber hinaus noch zu verbessern. Er ist Mitglied in einem zuchtbuchführenden Verein der FCI und richtet sich somit bei der Erreichung seines Ziels nach den einzuhaltenden Zuchtstandards.
Einen guten Züchter zeichnet vor allem die Liebe zu seinen Hunden aus, er lebt zumeist mit seinen Hunden im Hause, weiß um deren Bedürfnisse, er hat profunde Kenntnis von den Grundlagen der sachgemäßen Haltung, Aufzucht, Erziehung und Sozialisierung seiner Nachzucht. Durch seine Erfahrungen mit der Rasse ergreift er bei gesundheitlichen Problemen die angemessenen Maßnahmen, betreibt Vorsorge und leistet im Notfall Erste Hilfe.
Besonders wichtig ist die Ernährung in den ersten Lebenswochen der Welpen. Zu der Muttermilch muß bei der Umstellung darauf geachtet werden, dass den Welpen hochwertiges ausgewogenes und vor allem frisches Futter angeboten wird.
Als kompetenter Fachmann für alles, was mit der von ihm gezüchteten Rasse zu tun hat, ist er erste Anlaufstelle bei Problemen oder Sorgen seiner Welpenkäufer.
Bei Übergabe der Welpen sind die ersten Schutzimpfungen und Wurmkuren bereits erledigt.
Selbstverständlich ist, dass der Züchter die Welpenkäufer für seine Schützlinge sorgsam und mit Bedacht auswählt. Hierzu gehört die eingehende Beratung der Welpenkäufer ebenso wie die Prüfung, dass der Welpenkäufer die angemessene Haltung, Aufzucht, Erziehung und weitergehende Sozialisierung des Welpen angemessen verfolgen kann.
Sollte sich später herausstellen, dass ein Welpenkäufer etwa überfordert ist oder aus anderen Gründen den Welpen nicht behalten kann, ist es für einen guten Züchter selbstverständlich, den Hund zurück zunehmen und sich um einen geeigneten Platz für den Hund zu bemühen.
Ein Züchter, der diesen Anforderungen gerecht werden kann, braucht zum einen viel Zeit, Platz und ein gewisses Maß an finanziellen Voraussetzungen. Er kann nur so viele Hunde halten, wie er auch betreuen, pflegen und beschäftigen kann.
Kein Züchter, der nach höchsten ethischen und moralischen Gesichtspunkten sein Zuchtgeschehen plant, wird seine Hunde jemals ausbeuten.
Seinen persönlichen Erfolg wird er an keinem anderen Kriterium als an dem Bestreben messen, eine seriöse Zucht unter Berücksichtigung des Rassestandards, der Funktionalität, der Gesundheit, der Genetik und des rassetypischen Wesens zu betreiben.
Es mag einfachere Wege geben - für die Hunde, die Welpenkäufer und nicht zuletzt für das Bild, das eine Hunderasse in der Öffentlichkeit bietet, gibt es keinen besseren. |