Goldene Regeln
Es ist geradezu ein sträfliches Werbeversprechen vieler Rassehundezüchter- und -Vereine, und oftmals auch in Hundebüchern und -zeitschriften nachzulesen: „Diese und jene Rasse ist besonders "kinderlieb", noch eher wird von "kinderlieben Welpen" geschwärmt. Hat jemand schon mal einen kinderhassenden Welpen gesehen?
Problematisch sind auch Publikationen wie: "Der kindersichere Hund".
Fachleute publizieren Bewertungen welche Rasse besonders kinderlieb ist, ohne Rücksicht darauf, das es die eingebaute „Kinderliebheit“ bei Hunden nicht gibt. Frei nach dem Motto“ „Möchten Sie das Exemplar mit Kinderliebe oder besser ohne?“
Jeder Erbforscher oder Ethnologe weiß, dass solche Eigenschaften wie „der kinderliebe Hund“, nie angeboren, sondern nur erlernbar sind. Biologisch nicht haltbar, fallen dennoch viele Welpenkäufer darauf rein. Solche Werbeversprechen werden im günstigsten Fall dann in der Hundeschule oder beim Hundepsychologen unter der Rubrik "Problemhund" oder „Rüpel“ korrigiert. Im schlimmsten Fall werden die Tiere abgegeben.
Hunde sind kinderlieb, wenn die Kinder lieb zu Hunden sind. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Kinder von den Eltern den richtigen Umgang mit dem Hund und Achtung sowie Respekt vor dem anderen Lebewesen gelehrt bekommen! Eltern, die aus purer Erziehungs- und Beschäftigungsfaulheit meinen, ein Lebewesen sei ein Spielzeug wie ein Computer oder eine Puppe werden zwangsläufig die Probleme heraufbeschwören. Leider werden oftmals Tiere aus dieser materiellen Haltung gekauft - und oft genug landen diese Tiere dann im Tierheim, wenn sie nicht als Spielzeug funktionieren. Das Ergebnis unkontrollierten Streichelzwangs "Auf ihn! Hier ist ein lebendiger Streichelzoo!" endet dann in einem heillosen Desaster.
Der zweite Konflikt ist eine fehlende Rangordnung. Wenn das Ranggefüge, die Dominanzen innerhalb einer Familie nicht so deutlich geordnet sind, wie bei einem biologischen Gefüge unter Rudeltieren erforderlich, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Es gibt ganz eindeutig keine Problemhunde, sondern höchstens Hunde, die zum Problem gemacht werden. Fernseh-Serien oder Tierfilme mit unbiologischen Inhalten tun das Übrige dazu.
Ein Kind sollte vorerst einen respektvollen Abstand zum Hund halten, ihn vor allem nicht an Rute und Kopf mitsamt den Ohren malträtieren. Kinder wollen doch auch nicht dauernd auf den Kopf gehauen werden. Der erwachsene Hund, besser noch - die geschulte Hündin toleriert viel. Aber auch dort sind Grenzen gesetzt. Diese müssen den Eltern in ihrer Verantwortung klar sein und vor allem den Kindern klar gemacht werden.
Absolut unverantwortlich ist es, Kinder alleine mit einem großen Hund spazieren gehen zu lassen. Was mit einem Malteser oder Mops ggf. kein großes Problem darstellt, kann unter Umständen mit einer Bordeauxdogge in einer Katastrophe enden! Kinder sind oftmals in der Lage einen Hund auf ihre besondere Weise zum Spielen aufzufordern, wie wir Erwachsenen es niemals könnten. Auch reagiert der Hund wenn sie ihn rufen, sofern er Lust dazu hat. Erspäht eine Bordeauxdogge allerdings ein Objekt ihrer Begierde, dann wird sie lostraben, unabhängig davon, ob am anderen Ende der Leine ein ca. 40 bis 50 kg Kind hängt! Ein Rufen oder Befehle der Kinder werden in diesem Moment nicht mehr ernst genommen.
Dasselbe gilt auch für das Alleinlassen mit Kindern. Kein Kind darf mit dem Hund allein sein! Die Rudelordnung ist ohne den Boss aufgelöst. All zu schnell wird der Versuchung erlegen, dem Hund doch mal das Puppenmützchen aufzusetzen oder aus dem Hund das Baby zu machen, dass jetzt gerade mal schlafen muß.
Eltern die aus missverstandener Kinderliebe immer das Beste ihren Kindern gönnen und das Produkt „kinderlieber Hund“ nicht fehlen darf, werden u. U. in unangenehme Situationen geraten! Wenn dann noch der „kinderliebe Hund“ mal als Aggressionsableiter, mal als Spielzeug dient, ist das Unglück nahezu programmiert.
Es gibt nichts Schöneres, als eine echte Freundschaft zwischen Kindern und Hunden zuzuschauen, ihr Verständnis erleben zu dürfen. Die Symbiose zwischen Kindern und Hunden scheint unzerbrechlich, wenn jede Partei gute Erfahrungen mit der anderen machen durfte. Die Eltern sind gefragt. Das heißt aber: Der emotionale Kinderwunsch nach einem Hund ist kein Kauf-Befehl! Und Hunde sind keine Streichelobjekte! Denn der Kauf eines Hundes muß immer eine Familienentscheidung sein, bei der jedes Mitglied bereit ist, seinen Anteil zu leisten.
An dieser Stelle sei angemerkt, hier geht es nicht darum welche Rasse wird besonders als „kinderlieb“ angepriesen werden, sondern viel mehr darum, welche rassespezifischen Eigenschaften eines Hundes passen in die Familie.
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